Les Misérables - Eine großartige Produktion des Musicalhits am Saarländischen Staatstheater

von Angela Reinhardt ("Musicals", Februar/März 2003)

Am End vom Tag Nachdem die Rechte vor knapp zwei Jahren freigegeben wurden, nimmt das Revolutionsepos von Boublil/Schönberg immer mehr Platz im Repertoire der deutschen Stadt- und Staatstheater ein. Ähnlich wie Sondheims 'Sweeney Todd' ist 'Les Misérables' ein Musical, das die Dreispartenhäuser gut aus dem Opernensemble besetzen können...

...Natürlich lehnt sich auch in Saarbrücken Regisseur Kurt Josef Schildknecht an die Originalproduktkon an, aber er kopiert nie. Oft ist die weite Bühne einfach leer, damit die Musik alleine wirken kann - Rauch und Nebel schaffen Atmosphäre, ein blauer Himmel bildet den Hintergrund für Valjeans Reise. Auch sonst schafft bewusst wenig Ausstattung starke Bilder: unzählige Haken hängen von der Decke und deuten das beginnende Industriezeitalter an, hoch über der sterbenden Fantine schaukelt die kleine Cosette, die Kneipe der Thénardiers ist ein großes Fass.

.... Was die ambitioniert inszenierte und klug besetzte Aufführung aber wirklich zum Ereignis macht sind Dirigent Scott Lawton und das Saarländisches Staatsorchester. Mit der Stimmgewalt des riesigen Chores klingt die Aufführung vor allem in den großen Ensembleszenen einfach sagenhaft. Lawton dirigiert mitreißend dynamisch und orientiert sich an dem schnellen Tempo, das David Charles Abell auf der Jubiläums-Aufnahme aus der Royal Albert hall vorlegt. Wenn es einer Bestätigung bedurfte, dass 'Les Misérables' auch in den Repertoiretheatern noch dazugewinnen kann: hier ist sie!