Stummfilme mit Live-Orchesterbegleitung

Eine der interessantesten Tätigkeiten des Deutschen Filmorchesters ist das Aufführen von Stummfilmen mit Orchesterbegleitung. Dieses Genre ist praktisch eine Kunstform an sich, nur bedingt mit einem "normalen" Konzert oder mit einem herkömmlichen Filmscreening zu einem konservierten Soundtrack zu vergleichen.

Viele Zuschauer erzählen nach einem sogenannten 'Film-Live-Konzert', dass sie bereits nach wenigen Minuten kaum merken, dass ein Orchester von etwa 50-60 Musikern vor der Leinwand spielt -- die Wirkung von (live) sinfonischer Musik führt dem Zuschauer so stark in den Film hinein, daß das Musizieren kaum mehr bewusst wahrgenommen wird.

Seit 1999 hat Lawton vier verschiedene Chaplin-Filme, sowie auch "Metropolis" und "Dr Mabuse, der Spieler" von Fritz Lang und Hitchcock's frühes Meisterwerk "The Lodger" zu der Musik von Ashley Irwin live aufgeführt. Speziell bei Chaplin-Filmen: es gibt sicher kein anderes Genre, wo Dirigent und Orchester so oft im Verlauf einer Aufführung mit spontanem Lachen und Klatschen "belohnt" werden!

       

Live-Aufführungen von Stummfilmen verlangen eine ungewöhnliche Vorbereitung: der Dirigent muss die Partitur sowie auch die Folge von Szenen - samt ihren Timings - nahezu auswendig kennen.

Nach "normalen" Orchesterproben (ohne Film, wie für ein "normales" Konzert), arbeitet er weiter zu einem parallel laufenden Videoband des Films, um das Synchronisieren der Musik in "Real-Time" mit den Musikern zu üben. (Auch zu koordinieren sind oft Klänge von Perkussionisten und Pianisten; diese Musiker müssen manchmal direkt "auf Sicht" synchron zum Film spielen.)

Während des Dirigats muss sich der Dirigent simultan auf drei Ebenen konzentrieren:
1. das Orchester aufgrund der komponierten Partitur leiten,
2. dem Film zuschauen und jeglichen Wechsel von Bewegung, Licht, Kameraeinstellung, usw. kennen und im voraus antizipieren,
3. die Fülle von Sprachnotizen auf den Partiturseiten im Auge behalten, die beschreiben, welches musikalische Ereignis zu welchem bildlichen Ereignis klingen muss.

Sehr häufig sind die Prinzipien, die den Filmschnitt bestimmen, erheblich anders als die Strukturen, nach denen eine durchkomponierte Partitur gemacht sind. Es ist eine komplexe - und dankbare - Aufgabe, diese diversen Strömungen in Einklang zu bringen, so dass das Publikum meint, sie entspringe einer einzigen Quelle.

Sein Repertoire von 'Live-Film-Konzerten" ist: